Latein und die romanischen Sprachen am Heinrich-Suso-Gymnasium

Das Suso-Gymnasium ist seit jeher in der glücklichen Lage, Latein ab der fünften Klasse anbieten zu können. So bildet Latein nicht nur die Basis für das Erlernen weiterer Sprachen, sondern für die gymnasiale Ausbildung im Allgemeinen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler auf Latein aufbauend äußerst erfolgreich Französisch und Spanisch erlernen. Mit Latein als Basis wird der Lernstoff im Fach Französisch, für den normalerweise drei Schuljahre angesetzt sind, ohne irgendwelche Qualitätseinbußen in nur zwei Jahren bewältigt: Die Schüler sind durch Latein bereits vertraut mit der grammatikalischen Struktur der Sprache und können über 90 % des französischen Wortschatzes aus dem Lateinischen herleiten. Bei so viel Vorwissen überrascht es nicht, dass die Schüler, die aufbauend auf Latein weitere romanische Sprachen erlernt haben, in der Oberstufe fast durchweg besser abschneiden als Mitschüler, die nicht auf Latein zurückgreifen können. Latein ist eine hervorragende Basis, hat aber als eines der gymnasialen Grundfächer auch seinen Selbstzweck. Latein fördert das logische Denken, verbessert die eigene Sprache. Es deckt sich mit unserer Erfahrung, wenn in der Presse befunden wird: „Personalfachleute und Lehrer sind überzeugt: Die alten Sprachen verschaffen Schülern Rückenwind für ihre Karriere.“ (FAZ vom 28./29. Juni 2008)

Latein und Englisch
... ähnlicher als vermutet, vertrauter als gedacht...

Latein ist die Muttersprache Europas und sie ist zugleich ein "Serviceprovider" (auch hier ist der lateinische Ursprung zu erkennen: servire – (be)dienen, providere – sorgen für etwas) im Netz der modernen Sprachen. Denn in den Regionen des römischen Reiches entstanden unterschiedliche Ausprägungen des gesprochenen Latein, in denen die Tochtersprachen ihren Ursprung haben: Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Zahlreiche Wörter dieser Sprachen können bis heute auf lateinische Wurzeln zurückgeführt werden. Auch die moderne englische Sprache steht in enger Beziehung zur lateinischen Sprache: Mehr als die Hälfte des englischen Wortschatzes, der 400.000 Wörter umfasst, lassen sich von ihr ableiten.

Lehrwerk und Lektüre

Lehrbuchphase

Mit unserem modernen Lehrbuch erhalten die Schülerinnen und Schüler nicht nur einen fundierten Einblick und Grammatik und Syntax der lateinischen Sprache, sondern lernen auch zunehmend, lateinische Texte im Original zu übersetzen und zu verstehen. Außerdem enthält das Lehrbuch eine Vielzahl ansprechender Übungsaufgaben und –formen, z.B. auch im Arbeitsheft oder auf CD-ROM, wodurch die  Schülerinnen und Schüler zum selbständigen Arbeiten angeleitet werden. Neben der Vermittlung der Sprache bietet das Lehrwerk in Text und Bild viele attraktive Informationen etwa zu Geschichte, Gesellschaft, Politik, Religion und Kult der Römer in der Antike. Impulse und Anregungen, die auf die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler abgestimmt und ausgerichtet sind und zum Vergleich mit der Antike auffordern, ergänzen das Angebot. 

Arbeit mit Originalliteratur

Die Annäherung an einen lat. Text erfordert ganz bestimmte Kompetenzen; um die Distanziertheit zum Text abzubauen ist ein sog. Verweilendes Lesen erforderlich. Das heißt, dass die Schüler/-innen mit Sorgfalt und einem konzentrierten Beobachten Neues mit Bekanntem verknüpfen müssen, um den Inhalt des Textes zu verstehen. Hierbei geht es nicht um ein möglichst rasches Erfassen von Information nach Fast-Food-Mentalität. Gerade das „mikroskopische Lesen“ schult bei den heranwachsenden Jugendlichen die Beobachtungsfähigkeit, regt sie zu konzentrierten Arbeiten an und löst eigene kreative Denkprozesse aus, indem man stets versucht mit eigenen sprachlichen Mitteln den lat. Text wiederzugeben. Die Auseinandersetzung mit antiken fremden Texten regt die Jugendlichen zu einer ständigen Reflexion mit der eigenen Muttersprache an. Hierbei werden Kombinationsfähigkeit und Flexibilität (in der heutigen Zeit unverzichtbare Kernkompetenzen) der Schüler/-innen immer trainiert.

Lektüre im Fach Latein am Beispiel der Autoren Caesar und Cicero

Die Arbeit mit lat. Originaltexten ist immer eine Begegnung mit Literatur, an der sich Sprache zeigt. Die zunehmende   Übersetzungsfähigkeit ermöglicht es den Jugendlichen die sprachliche Gestaltung der jeweiligen Texte zu untersuchen. Bei den lat. Autoren Caesar und Cicero, die beide einen unterschiedlichen Sprachstil haben, entdecken die Schüler/innen anhand der sprachlichen Gestaltung die Intention, das heißt die Wirkung, die die Autoren auf den Leser erzielen wollen (z.B. Darstellung der eigenen  Leistung, Verteidigungsrede, Anklage, Manipulation des Publikums/ der Leserschaft etc.). Das Erkennen der Wirkungsmechanismen von Sprachmitteln fördert die rhetorischen Kompetenzen und die Urteilsfähigkeit der Jugendlichen. Die Jugendlichen setzen sich bei der Lektüre von lat. Literatur mit dem Wechselspiel von fremder und ähnlicher Kultur auseinander und verknüpfen dabei Fremdes mit Bekanntem; sie tauchen in eine Welt voll von bedeutenden politischen und historischen Ereignissen und Menschen. Dabei lernen sie „Werte“ und historische Persönlichkeiten mit all ihren Facetten kennen (Cicero als genialen Anwalt, Autor philosophischer Schriften, als überzeugten Anhänger der „libera res publica“, aber auch als tragischen Mensch mit all seinen Charakterschwächen, Caesar als Diktator, als Stratege, als Politiker, der die sog. „clementia“ zu seinem pol. Wahlprogramm gemacht hat). Neben dem Prozess des Übersetzens bietet die Beschäftigung mit dem kulturellen und historischen Hintergrund den Schüler/-innen eine Fülle von Möglichkeiten verschiedenen Kompetenzen zu entwickeln und auszubilden; die Auseinandersetzung mit der Antike, einer ihnen fremden Welt, regt die Jugendlichen zu Diskussionen, zu einer offenen Denkweise an und die Tatsache, dass dabei auch die menschlichen Züge historischer Persönlichkeiten zutage treten, fördert ihre emotionale Empathie/Entwicklung. 

 

Kontakt

Herr Dr. Timon Binder
Abteilungsleiter alte Sprachen und Schulentwicklung

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Tel: +49 (7531) 66278 (Sekretariat)

sowie die Fachschaft Latein des Heinrich-Suso-Gymnasiums Konstanz