Die Suso-Bibliothek ist die älteste Konstanzer Gymnasialbibliothek. Sie besteht bereits seit 1604 und ist ein fester Bestandteil unserer Schule.

Die Bibliothek unseres Gymnasiums blickt auf eine stolze, aufregende Geschichte zurück. Wir hoffen, Ihnen einen kleinen Überblick bieten zu können – über unsere Schätze, unsere Geschichte und nicht zuletzt ein paar Einblicke in unsere Bücher.

Einen Besuch der echten Bibliothek können diese Seiten natürlich nicht ersetzten!

16. – 18. Jahrhundert

SJ

Nach dem Tridentinum jahrzehntelangen Bemühungen der Konstanzer Bischöfe um die Gründung eines Priesterseminars für die Diözese Konstanz schienen in den achtziger Jahren des 16ten Jahrhunderts konkretere Formen anzunehmen, indem die Gesellschaft Jesu dafür vorgesehen wurde.

Diese Pläne veranlassten den Konstanzer Domherren und Generalvikar Theodorich Greiss (1589 gest.), einer zukünftigen Seminarbibliothek seine private Büchersammlung (circa 300, meist juristische Werke, darunter viele Widmungsexemplare) zu vermachen.

Stempel11604 wird das Jesuitenkolleg an Stelle des Priesterseminars gegründet. Es umfasst einen philosophischen Studiengang für die niederen Theologiesemester.

Das Gymnasium ist auf das Jesuitenkolleg und das Jesuitengymnasium zurückzuführen. Die Bibliothek diente vornehmlich als Grundlage für den Unterricht im Jesuitengymnasium und -lyzeum während der beiden folgenden Jahrhunderte. 

Vielfältige Stiftungen und Hinterlassenschaften von geistlichen und weltlichen Stiftern der Region sowie die Anschaffungen der Jesuitenpatres ließen die Bibliothek im 17. und 18. Jahrhundert stetig wachsen. Bei der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 belief sich der Bestand auf 11511 Bände.

Für mehr Details: Gröber, Conrad. Geschichte des Jesuitenkollegs und -Gymnasiums in Konstanz. Konstanz: 1904.

Kaiserlich-Königliches-Akademisches Gymnasium Konstanz

Stempel2Während der Zeit des anschließenden österreichischen Kaiserlich-Königlichen-Akademischen Gymnasiums Konstanz erlitt die Bibliothek durch die Ablösung und Vertreibung der Jesuitenpatres aus dem Schuldienst starke Verluste, wie der Vergleich des Bestandes mit dem des ältesten (handschriftlichen) Kataloges ausweist. Nur wenige, meist unterrichtliche Werke stammen aus der Zeit des Josephinismus. Dagegen hinterließ die Säkularisation der Konstanzer Klöster unter Joseph II. während der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts und im Gefolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 mit der Übernahme von Teilen der Bibliotheken der Kapuziner, Dominikaner, Minoriten und Augustiner der Bibliothek des 1806 Großherzoglich Badischen Lyzeums reichen Gewinn, besonders an Inkunabeln und Frühdrucken theologischen Inhalts.

Stiftungen des 19. Jahrhunderts

Am 19. Jahrhundert wurden die Bestände durch Anschaffungen und vereinzelte Schenkungen erheblich vermehrt, besonders aber durch drei große Stiftungen, vornehmlich mit altphilologischen Werken. Zu nennen sind die Stiftungen von Johann Leonhard Hug (17675 - 1846) mit 1160 Bänden, Direktor Joseph Nikolaus Schmeisser (1835 gest.) und Adalbert Maier (1811 - 1889). In den Jahren 1865 und 1893 wurde die Bibliothek neu katalogisiert.

Frühes 20. Jahrhundert

Der letzte von Otto Kunzer angelegte Katalog dient mit seiner Systematik bis heute der Inventarisierung von Neuanschaffungen und verzeichnet rund 9100 Titel. Bis 1925 kamen noch weitere 2100 Titel hinzu, so dass sich der Bestand an vor 1900 erschienen Titeln auf ca. 10300 belief. Dieser Katalog hatte aber auch den Effekt, dass Begehrlichkeiten (z.B. des Antiquariatshandels und der Universitätsbibliothek Heidelberg) geweckt und nach 1898 eine Anzahl kostbarer Werke verkauft wurden, darunter die Acta Sanctorum, 19 Bände der Monumenta Germaniae Historica, vorlutherische Bibelübersetzungen, Werke von Luther, illustrierte Frühdrucke und verschiedene Gesamtausgaben von Kirchenvätern (insgesamt rund 500 Titel) - mit Genehmigung des Oberschulrates in Karlsruhe.

Zuwachs durch den Schülerleseverein

Die Zuwächse bis 1925 sind in zwei gedruckten Nachträgen zum Kunzerschen Katalog vermerkt (die späteren nur handschriftlich in zwei Katalogexemplaren und in einer Kartei). Die alten Bücherbestände werden nur noch selten durch Schenkungen vermehrt, aber durch die Altbestände der Schülerbibliothek - hervorgegangen aus einem Schülerleseverein 1830 insbesondere bei den Klassikerausgaben des 18. Und 19. Jahrhunderts nicht unwesentlich bereichert.

Der "würdige Bibliothekssaal"

Zwischen 1607 und 1911 verblieb die Bibliothek im Querbau des Kolleg - und (nach 1773) Gymnasiumsgebäudes neben dem Konstanzer Münster. Nach Fertigstellung des Schulneubaus an der Neuhauser Straße (1911) gelangte sie an ihren heutigen Standort, den eigens für sie gebauten "würdigen Bibliothekssaal" mit seinen drei Stockwerken. Die Aufstellung erfolgte nach Folianten und Kleinformaten.

Nach dem 2. Weltkrieg

Als das Suso-Gymnasium nach dem Zweiten Weltkrieg französisches Lazarett war, kam es zu einigen Akten des Vandalismus in der Bibliothek. Ein französischer Leutnant, der den Wert der Bibliothek erkannte, ließ sie verschließen und rettete so den wertvollen Bestand. Die Reinigung der Bibliothek von nationalsozialistisch - militaristischem Schrifttum nach 1945 durch die französische Besatzungsmacht berührte den Altbestand kaum. Ca. 211 Titel des 20. Jahrhunderts wurden entfernt.

Gegenwart

Seit ihrer Gründung diente die Suso-Bibliothek als Lehrerbibliothek und wird ständig durch Anschaffungen ergänzt. Der moderne Teil der Bibliothek dient so den einzelnen Fachbereichen als Handbibliothek. Seit 1990 wurde der Bestand der Suso-Bibliothek durch die Universitätsbibliothek Konstanz erfasst und katalogisiert, die Recherche erfolgt über den Online-Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB).

Literatur

  • Hesse, Hans. "Bibliothek des Heinrich-Suso-Gymnasiums" in Kehr, Wolfgang (Hrsg.) Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Hildesheim- Zürich - New York: Olms-Weidmann,1994.
  • Von Bohr, Helmut. "Die Lehrerbibliothek im Heinrich-Suso-Gymnasium und das Projekt der maschinenlesbaren Erfassung ihrer Bestände." in Bibliothek aktuell Heft 60 (August 1991).
  • Von Bohr, Helmut. "Die Jesuitenbibliothek im Heinrich-Suso-Gymnasium in Konstanz" in Bibliothek aktuell Heft 70 (November 1997)
  • Zeller, Ulrich (Text- u. Bildred.), Heinrich-Suso-Gymnasium, Konstanz (Hrsg.) 400 Jahre Suso-Bibliothek, 1604 – 2004. Bad Buchau: Federsee-Verlag, 2004.