DescriptionEin weiteres Prunkstück der Suso-Bibliothek sind 11 Bände der Description de l’ Egypte. Das Monumentalwerk präsentiert das gesamte Wissen über das alte Ägypten, die Naturgeschichte des Landes und das zeitgenössische Ägypten, das einige der besten französischen Wissenschaftler während Napoleons Expedition gesammelt hatten und begründete die Ägyptologie.

Die dreitausend wunderschönen Stahlstiche der Bildbände zeigen deutlich die Faszination der Forscher und zeichnen ein Bild des alten Ägypten, das auch den heutigen Betrachter in seinen Bann zu ziehen vermag.

StreitwagenAus militärischer Sicht war Napoleons Expedition in Ägypten ein Reinfall. Zwar gelang es den Franzosen, innerhalb kürzester Zeit, das Land zu erobern und die technisch und taktisch unterlegenen Mameluken am 21. Juli 1798 in der „Schlacht an den Pyramiden“ vernichtend zu schlagen, das Ende der französischen Herrschaft wurde jedoch bereits am 1. August desselben Jahres durch die Vernichtung der französischen Flotte in der Bucht von Aboukir (Battle of the Nile) durch die Engländer unter Nelson eingeläutet. Napoleon verließ kurz darauf fluchtartig Ägypten und setzte als seinen Nachfolger den wenig später ermordete General Kléber ein, die letzten durch Krankheiten dezimierten französischen Truppen verließen 1801 das Land.

Rosette HieroWeitaus größerer Erfolg war der Expedition dagegen in wissenschaftlicher Hinsicht beschieden. Dem Heer der Grenadiere folgte ein Heer von Wissenschaftlern, über 160 „Savants“, u.a. Ingenieure, Architekten, Zeichner, Typographen, Orientalisten, Astronomen und Naturforscher, darunter einige der namhaftesten französischen Gelehrten der Zeit wie Gaspard Monge, Dominique Vivant Denon und Dieudonnée Dolomieu.

Ihre Aufgabe bestand in der Inventarisierung und Beschreibung der Schätze Ägyptens, eines mythisierten aber tatsächlich weitgehend unbekannten Landes.

Das gesammelte Wissen über das alte wie das zeitgenössische Ägypten und die Naturgeschichte des Landes wurde dann in 3000 Stahlstichen und ergänzenden Texten festgehalten und von 1803 bis 1813 im Monumentalwerk der Description de l’Egypte veröffentlicht. Das unglaublich umfangreiche Bild des alten Ägypten, das die Wissenschaftler mitbrachten, löste eine Welle der Ägyptomanie aus und begründete einen neuen Zweig der Wissenschaften - die Ägyptologie.

Die Susobibliothek ist im Besitz der zweiten Auflage der Description de l' Égypte ou recueil des observations et des recherches qui ont été faites en Égypte pendant l' expédition de l'armée française (1821- 1829), nach ihrem Herausgeber auch als Panckoucke Edition bezeichnet. Die im Katalog verzeichneten Textbände sind allerdings verschollen, noch vorhanden sind die 10 Bildbände und das Kartenwerk. Die zweite Auflage wurde kostengünstiger produziert als die erste, die Bände sind, abgesehen vom Frontispiz, nicht koloriert und deutlich kleiner als die Mammutfolios der Erstausgabe, als klein würde man sie allerdings kaum bezeichnen, handelt es sich doch bei den gewaltigen Folianten im Format 70cm x 54 cm um die größten Bücher der Bibliothek. Wegen der geringen Auflage ist die Description äußerst selten, sie ist fast ausschließlich in sehr großen Sammlungen und Nationalbibliotheken zu finden und ist, nebenbei bemerkt, auch ein kleines Vermögen wert.

KarnakEventuelle Scheu wegen der Kostbarkeit der Bände ist jedoch schnell vergessen, wenn man sie aufschlägt und unweigerlich zum begeisterten Blätterer in einem wunderschönen Bilderbuch wird. Alles ist hier festgehalten, vom Blick auf die Pyramiden von Gizeh mit dem noch im Wüstensand eingesunkenen Sphinx im Vordergrund bis hin zu den Fischen, die den Nil bevölkern. Faszinierend ist nicht nur der fast naive Sammeltrieb, der jeden Papyrusfetzen, jede Statue, alles, was kreucht und fleucht, festhielt, faszinierend ist auch die Präzision der Technik, mit der dies geschah. In Stahlstichen wird jedes Detail im wahrsten Sinne des Wortes gestochen scharf festgehalten, die Technik ist so perfekt, dass man viele der Abbildungen mit Fotografien verwechseln könnte, die zahlreichen Reliefs wirken verblüffend plastisch.

Der Aufbau des Werks folgt der tatsächlichen Route der Wissenschaftler von der Insel Philae bis zu den Pyramiden von Gizeh, vorbei an bedeutenden Fundstätten wie Edfu, Dendera, Karnak und Luxor.

Eingeleitet wird jedes Kapitel durch eine genaue topographische Karte des Landesteiles, gefolgt von Ansichten der Bauwerke aus allen Himmelsrichtungen. Häufig finden sich auf den Bildern auch malerisch drapierte Gestalten oder kleine Figürchen in Uniform, die Savants selbst, die meist anzeigen, ob es sich um Rekonstruktionen oder um zeitgenössische Darstellungen handelt, und die außerdem die Größenverhältnisse demonstrieren. Danach kommen dann Studien architektonischer Details und die Abbildungen der kleineren Kunstgegenstände.

RosetteVon allen Seiten genauestens abgezeichnet ist auch das wohl berühmteste Fundstück der Expedition, der Stein von Rosette, benannt nach seinem Fundort Raschid. Ihn wollten die Franzosen eigentlich mitnehmen, er wurde allerdings von den Engländern konfisziert und liegt heute im British Museum. Auf diesem Stein befindet sich eingehauen ein Dekret der Priester von Memphis zu Ehren von Ptolemaios V. Epiphanes (196v.Chr.), und zwar in Hieroglyphen, in demotischer und griechischer Schrift. Mithilfe dieser Texte und der daran geleisteten Vorarbeiten des Engländers Thomas Young gelang es dem Franzosen Jean François Champollion 1822, die geheimnisvolle Hieroglyphenschrift zu entschlüsseln. Die Description ist damit die letzte große Publikation über Ägypten vor Dechiffrierung der Hieroglyphen, die einerseits die enthaltenen Texte veralten ließ und die junge Wissenschaft der Ägyptologie revolutionierte, andererseits aber auch die Genauigkeit der Arbeit der Savants bezeugt, die die unverständlichen Zeichen getreu kopiert hatten. 

SphinxDie Wiedergabe des Gesehenen ist allerdings nicht immer so exakt, ruinöses wird manchmal rekonstruiert ohne dass dies kenntlich gemacht würde und oft scheinen die Wissenschaftler auch Ergänzungen vorgenommen zu haben, um die in klassischen Architekturtraktaten propagierte Symmetrie zu erreichen. Die wissenschaftliche Bedeutung der Description ist umstritten, sie ist aber auf jeden Fall noch immer eine interessante historische Quelle, da einige der nur hier abgebildeten Monumente heute zerstört sind. Auch hat die DescriptionVorgänger in einer ganzen Reihe von Englischen, Französischen und Deutschen Reisebeschreibungen von Ägypten aus dem 17. und 18. Jahrhundert, es handelt sich also nicht um ein völlig isoliertes Werk oder um die erste Beschreibung Ägyptens, wie mitunter behauptet- allerdings vermutlich um die schönste.

Eine ausgezeichnete digitalisierte Version der Description de l’Égypte als Vorgeschmack bietet die moderne Bibliothek von Alexandria unter http://descegy.bibalex.org.