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Was haben wir uns nicht abgemüht an Gaius Julius Caesars Schrift über seinen Krieg, den er mit den Helvetiern und Galliern geführt hat. Dabei hat mancher auch einen Blick in die Übersetzung geworfen, die es auch in handlichem Kleinformat gegeben hat. Bei Klassenarbeiten war die Benutzung einer solchen Übersetzung natürlich verboten und ihr Gebrauch mit einem hohen Risiko verbunden! Ganz und gar ungeeignet für solche Zwecke ist der großformatige, prächtig illustrierte Band, der in unserer Bibliothek steht: Gaij Julij Cesaris des mechtigen ersten Römischen Keysers: Historien vom Gallier und der Römer Burgerischer krieg: so er selbst beschriben: und durch sondere grosse manheyt seiner ritterlichen tugent gefüret hat.

1507 wurde die Übersetzung von "De bello gallico" und "De bello civili" in Straßburg abgeschlossen und 1530 zusammen mit einer Lebensbeschreibung von Caesar durch Plutarch aus Chaironeia bei Johannes Schöffer in Mainz gedruckt.

Natürlich war diese Übersetzung nie als Schülerhilfe gedacht - heutige Schüler hätten schon mit dem Druckbild und der Sprache Schwierigkeiten - ihr Zweck war ein ganz anderer. Darauf geht der Übersetzer in seinem Vorwort ein. Doch wer ist überhaupt der Übersetzer? Auf dem Titelblatt wird kein Name genannt. In einem kleinen Gedicht, in dem der Autor Caesar den Inhalt seiner Schriften vorstellen lässt, heißt es: "Mein bücher zu Latein schrib ich / Philesius hat gedeutschet mich."

Hinter dem Pseudonym Philesius Vogesigena verbirgt sich Mathias Ringmann (1482 - 1511), Schulmann in Colmar und Straßburg und Humanist. Ringmann gehörte zu der Gruppe elsässischer Humanisten, unter denen Martin Waldseemüller - dessen Freund und Mitarbeiter Ringmann war - und Walter Lud waren. Mit Waldseemüller gab er die Kosmographie des Ptolemäus heraus.1 Enge Kontakte bestanden auch zu dem italienischen Humanisten Pico della Mirandola, der ihm bei der Suche nach dem Ptolemäusmanuskript behilflich war. Ringmann gilt als Mitbegründer der humanistischen Übersetzungsliteratur.

Mitten in der Arbeit an der Schrift des Ptolemäus beschäftigte sich Ringmann mit einem ganz anderen Thema, als Fingerübung und zur Erholung. Er brachte ein Kartenspiel heraus. Ein Kartenspiel, mit dessen Hilfe die lateinische Grammatik leichter für die Schüler lernbar sein sollte. 1509 erschien dazu die Spielanleitung, die Grammatica figurata . Man sieht, auch moderne pädagogische Ideen sind so neu nicht!

Was aber hat Ringmann dazu bewogen, die Schriften von Caesar zu übersetzen? Die Illustrationen geben einen ersten Hinweis auf seine Absichten. Auf der zweiten Seite des Bandes finden wir die folgende Abbildung.

Die dargestellte Person, hoch zu Pferde, mit wallendem Bart, auf dem Kopf die Krone der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den Feldherrnstab in der Rechten und auf der Schabrake des Pferdes den kaiserlichen Doppeladler, soll tatsächlich der römische Feldherr Gaius Julius Caesar sein.

An Porträtähnlichkeit war sicher nicht gedacht, gibt es doch in dem Band eine Abbildung von der Ermordung Caesars, die historisch genauer ist, während der reitende Feldherr schon eher an einen Ritter des frühen 16. Jahrhunderts erinnert. Dass wir damit auf der richtigen Spur sind, zeigt die "Auffopfferung", die Philesius dem Gallischen Krieg voranstellt. Er widmet seine Übersetzung "der Römischen K. Maiestat / dem aller durchleuchtigsten Fürsten und herrn Herrn Maximiliano", also dem Deutschen Kaiser Maximilian I. (1459 - 1519), bekannt unter dem Beinamen "Der letzte Ritter". Philesius begründet seine Widmung damit, dass der Adressat des Berichtes der Kriegstaten des ersten Römischen Kaisers der Deutsche Kaiser sein müsse, ihm gleich an Mut und Feldherrnkunst. Nun weiß Philesius, dass Maximilian sehr gut Latein konnte, eine Übersetzung für ihn also nicht notwendig war, dass aber die Fürsten, und "herrn der strenge ritterschafft / darzu kriegsregenten / burger / etc" diese Übersetzung zu "nutz und gefallen lesen sollten". Deren Lateinkenntnisse scheinen eher dürftig gewesen zu sein, so dass lateinische Klassiker erstmals in Übersetzungen erscheinen mussten. Nur so konnten sie aus der Geschichte lernen, die nach Philesius ein Spiegel und Lehrmeister für das eigene Verhalten und die eigenen Taten ist.

Philesius zieht eine Linie von Caesar, den er stets als ersten römischen Kaiser bezeichnet, bis zu Maximilian, bindet also das deutsche Kaisertum an die römische Kaiserzeit.

Konsequenterweise sind alle Illustrationen nun auf die Gegenwart des Übersetzers bezogen. Wir sehen also Landsknechte mit Piken, Ritter auf ihren Pferden, und bei Belagerungen werden Mörser und Kanonen eingesetzt, die hinter Verschanzungen aufgebaut sind.

Belagerung von Autuatucorum (III. Buch)

Wie wenig es um historische Genauigkeit geht, zeigt sich auch daran, dass dieselben Holzschnitte an verschiedenen Stellen auftauchen, dass sogar einzelne Teile von Holzschnitten neu komponiert werden, auch wenn dadurch Stücke abgeschnitten werden.

Aus dem Helvetierkrieg (I. Buch)

Jedes Buch wird mit einem ganzseitigen Holzschnitt eröffnet, der sich auf den Inhalt des entsprechenden Buches bezieht.

Titelblatt des III. Buches

Natürlich interessiert den Altphilologen, wie Philesius den berühmten ersten Satz des Gallischen Krieges übersetzt hat, speziell das "omnis", ob nun prädikativ oder attributiv. Bei Philesius heißt es ganz einfach: "Alles Gallier landt ist in drey teyl geteylt. "

Zitiert sei noch aus dem VI. Buch, in dem Caesar berichtet, wie die Germanen auf die Jagd gehen. Er beschreibt Tiere, die "Alces" (Elche) genannt werden. Sie legen sich zum Schlafen nicht hin, da sie nicht mehr aufstehen können. Um dieses Tier zu jagen, kundschaften die Germanen ihre Schlafplätze aus und "werffen sie alle beum an dem selbigen ort umb / oder hawen sie alleyn bei der wurzeln ab / also dass das öber teyl stehn bleibt / weñ sie sich dañ nach gewõheit do hin an leynen / so machen sie mit jrer schwere die unstarcken beum fallen / und fallen sie auch mit denen".

Überfahrt nach Britannien (V. Buch)

Belagerung von Avaricum (VII. Buch)


[1] Über die Hintergründe der Herausgabe und das Fehlen des Namens von Ringmann als Herausgeber vgl.: Fr. R. v. Wieser: Vorwort zu "Die Grammatica figurata des Mathias Ringmann", Straßburg 1905